Der Zug der Zeit ...
Die" Kaiserbahn"
Ahrensfelde war (ist?) Teil der großen weiten Welt, welche uns eine Bahn mit Haltestelle bescherte und auch wieder fortnahm. In den Tod deportiert werden - wie die Bad Oldesloerin Margarethe Krohn [15] - 766 jüdische Mitbürgern mit dem "Transport" vom 6.12.1941 nach Riga - nur 22 von Ihnen überlebten den Krieg. [16] Daß der Kaiser die Strecke, deren Überbleibsel heute an der ehemaligen Bahnkate noch zu sehen sind, benutze, erscheint mir da eher als überflüssiger Lidschlag der Geschichte. Nicht der Überhöhung eines einzelnen, sondern dem Gedenken an die vielen Namenlosen sollte ein Name geschuldet sein.
"Das ausführliche Projekt der Eisenbahnstrecke Hagenow-Oldesloe, Theilstrecke Oldesloe-Lübsche Grenze, liegt acht Tage in meinem Bureau öffentlich aus. Etwaige Einwendungen gegen das Project sind binnen der gleichen Frist entweder schriftlich bei mir einzureichen, oder hier zu Protocoll zu geben. Die Polizeiverwaltung in Oldesloe, den Hernn Gutsvorsteher des Forstgutsbezirks Rethwisch, sowie die Herren Gemeindevorsteher in Rethwischfeld, Treuholz, Kl. Boden und Ahrensfelde ersuche ich, diese Bekanntmachung in ortsüblicher Weisse zur Kenntnis der Eingesessenen zu bringen..." [Kreisblatt 21.7.1893]
Am 15. Mai 1897 wird die Eisenbahnstrecke Bad Oldesloe – Sierksrade in Betrieb genommen. Drei Monate später erfolgt die Weiterführung nach Ratzeburg. Damit ist die Königliche Eisenbahnstrecke Hagenow – Ratzeburg – Oldesloe in Betrieb. Sie durch- schneidet Ahrensfelder Ländereien von der Grenze Siebenbäumen bis zur “Webertwiete“. Der nächstgelegene Bahnhof ist Kastorf. Die Züge fahren weiter auf der bereits 1875 fertiggestellten Strecke Oldesloe – Neumünster. Die Strecke erhält die Bezeichnung „Neumünster – Hagenow“. Somit besteht eine Zugverbindung von Kiel nach Berlin.
Schienenbus
| Betriebsstelle | Art | in KM | Status |
| Kastorf | Bf | 64,0 | abgebaut |
| Siebenbäumen | Hp | 65,1 | nach 1952 Hp; abgebaut |
| Ahrensfelde | Bf | 67,7 | nach 1952 Hst; abgebaut |
| Schürensöhlen | Hp | 69,2 | nach 1952 Hst; abgebaut |
| Klein-Boden | Hp | 71,7 | nach 1952 Hst; abgebaut |
| Treuholz | Bf | 70,6 | abgebaut |
... kehren wir in die Zeit vor 1962 zurück und befahren die Strecke mit einem Personenzug. Der erste Halt hinter Bad Oldesloe ist Rethwisch. Bald darauf erreicht der Zug den Bahnhof Treuholz. Der Bahnhof diente früher in erster Linie der Versorgung des nahegelegenen Gutes Treuholz. Nun folgen teilweise im Abstand weniger hundert Meter die Haltepunkte Klein Boden, Schürensühlen, Ahrensfelde und Siebenbäumen. In diesem Bereich lässt sich sehr gut der Niedergang dieser Strecke erkennen. Viele technisch nicht gesicherte Bahnübergänge bremsen den Zug auf bis zu 15 km/h herunter. Der nächste Bahnhof ist Kastorf. Da der Bahnhof außerhalb des eigentlichen Ortes liegt folgt kurz darauf der Haltepunkt Kastorf Ost. Bis Sirksrade folgt nun einer der längsten Abschnitte dieser Strecke. Dafür sind es bis zum Bahnhof Berkenthin nur knappe zwei Kilometer. Kurz hinter dem Bahnhof überquert die Bahn den Elbe-Lübeck Kanal auf einer Stahlträgerbrücke, welche noch lange nach der Stillegung an die Bahn erinnerte bis sie Anfang der 90er Jahre wegen Baufälligkeit abgerissen werden musste... [18]
Um die Jahrhundertwende fuhr Kaiser Wilhelm II. stets von Berlin zu seinem Lieblingshafen Kiel, um seinem Hobby, der Marine zu frönen. Er wollte nicht den kürzeren Weg über Lübeck reisen, da die Stadt nicht zu Preußen gehörte und er die Hanseaten nicht um Durchreiseerlaubnis bitten wollte.Der Kaiser befuhr auf seinen Reisen hauptsächlich den Streckenteil zwischen Hagenow Land und Ratzeburg, und dann den weiteren Weg über Lübeck und Eutin; wohl auch aus Vorsicht vor Anschlägen wurde die Berkenthiner Kanalbrücke gemieden.
Auf dem Streckenteil Bad Oldesloe – Ratzeburg verkehrten keine D-Züge!
Ab 1941 benutzten Lübecker, Kieler und Hamburger Deportationszüge ins Todeslager Riga die Strecke über Ahrensfelde. 1945 rollen überfüllte Flüchtlingszüge aus dem Osten nun nicht mehr für den Sieg.
Durch die Zoneneinteilung fährt die Eisenbahn 1945 nur noch von Bad Oldesloe über Ratzeburg bis Hollenbek. Die Deutsche Bundesbahn richtet 1951 einen Schienenbusverkehr von Bad Oldesloenach Hollenbek ein. Es werden Bedarfshaltestellen eingerichtet. Eine Haltestelle "Ahrensfelde" befindet sich am Waldweg in Schürensöhlen.
Der Personenverkehr auf der Bundesbahnstrecke Bad Oldesloe – Hollenbek wird 1962 eingestellt. 1971 wird der auf der Bundesbahnstrecke Bad Oldesloe – Ratzeburg verbliebene Güterverkehr wird eingestellt. In den Folgejahren werden die Eisenbahnschienen abgebaut und das Gelände an die Anlieger verkauft. [12]


